Liebe Freunde der Philosophie,

                Der Optimismus verlässt uns nicht. 

                Wir beginnen am Montag, den 8.6. um 10h00

                wieder in Kelkheim, Im Kleinen Saal der Stadthalle

                 (keine Angst: In neuer Sitzordnung)

                    

Per heute 22.5.20 sind alle Möglichkeiten geschaffen, uns wieder montags zu treffen. Voraussetzung ist

die Einhaltung der Hygienevorschriften.

 

Wir können ab dem 08. Juni bis zu den Sommerferien, also für vier Montage, den kleinen Saal

in der Stadthalle bekommen. Er ist groß genug den Abstand von 1,5 m für Alle zu sichern.

Dort stehen keine Tische sondern nur Stühle. Dadurch ist die abschließende Infektion vereinfacht. Ein Desinfektionsmittel-Spender steht am Halleneingang.

 

Nochmals die Voraussetzungen: Stets 1,5 m Abstand halten. Möglichst eine Maske tragen.

Am Eingang die Händes desinfizieren. Alles was wir angefasst haben desinfizieren

(Stühle, Türklinken, etc.). Eine Anwesenheitsliste führen. Keine Fotokopien verteilen.

 

Auch wenn das etwas sperrig klingt, es ist es nicht. Wir werden noch viele Monate diese

Vorsicht walten lassen müssen. Erst wenn die Mehrzahl der Deutschen geimpft sind

können wir auf Abstand und Desinfektion verzichten. Ich sehe das aber erst

in 10 bis 12 Monaten kommen. Also, durchdenken Sie die obigen Regeln der Vernunft

 

Bitte teilen Sie uns noch einmal mit, wer ab dem 08. Juni kommen würde.

Wir müssen der Stadt sagen ob wir den Saal haben wollen. (Er kostet die Unsumme

von € 6,40 + MWSt je Stunde !) . Auf ein Neues!

 

 Edgar Zachäus (Edgar.Zachäus.@t-online-com)

 

                   Vorgesehen ist:

                    8.6.: Wolfgang Claus: Nietzsche, „Der Fall Wagner“, neu betrachtet.        

                                           

                               

                   15.6.: Volker Hacker: Monogamie. In guten wie in schlechten Zeiten I.

              

                   22.6: Volker Hacker: Monogamie II

                                               

            

                   In der Zwischenzeit bleiben wir noch per email

                  im Home-Office-Kontakt. In der Anlage unten gibt es 

                       als Notlösung den "Montags-Philosophen" mit Impuls-

                       Referaten zur weiteren Diskussion. (Rückmeldungen an:

                       gerhard.metschies@gmail com)

               

 

               Aktuell:

                18.5. Resumeé Wahlrechtsreform

                         Dr. Schreiber fasst unsere Diskussion wie folgt zusammen:

                         

Resumé Wahlrechtsreform 18. Mai 2020
Ich bedanke mich für die Zuschriften, aber auch bei all jenen

- und es sind nicht wenige - die den Artikel aufmerksam gelesen haben.

Zum Thema Wahlrecht gibt es zusätzliche Vorschläge und meine im Entwurf.

In ihm ist die Vergabe von 298 Sitzen mit der Erststimme im Mehrheitswahl-
reclrtsverflahren in den V/ahlkreisen, sowie von weiteren29S Sitzen mit der

Zweitstimme in einer Verhältniswahl vorgesehen. Dies auf einer Landesliste,
auf der panaschiert werden kann.
Ausgleichs- oder Überhangmandate soll es nicht geben und dieser Meinung sind
alle Kommentierenden.

  •  Herr Metschies will die Mehrheits/Persönlichkeitswahl stärken und die in der

Verhältniswahl zu vergebende Stimmzahl halbieren oder auf 66% reduziercn.
Bei rund 600 Abgeordneten insgesamt wciren das dann nur noch 150 oder 200

prozentual zu vergebende Sitze mit entsprechend mehr und kleineren Wahl-
kreisen.

Dass dies die kleineren Parteien besonders trffen würde, daraufweist Herr
Miller hin.

  •  Herr Zachäus will die Zweitstimme nicht über eine Landesliste, sondem in

den Wahlkreis vergeben.
Da ja das Verhaltnis der Parteien zueinander im Bundesgebiet abgebildet
werden soll, ist wohl beides möglich.
Beide Kommentatoren scheinen die Stärkung der Basisdemokratie im Sinn
zu haben.

  • Herrn Mook und Herrn Hagen sagt mein Wahlrechtsvorschlag insgesamt zu.

Herr Hagen geht noch weiter und fordert eine strikte Gewaltenteilung: kein
Regierungsmitglied darf auch Abgeordneter sein.

  • Herr Pachali meint: ,,Es gibt m.E. genügend vemünftige Vorschläge zur

Reduzierung der zu wählenden Parlamentarier in der bestehenden Diskussion."

Im SPIEGEL sind die Vorschläge aller Parteien sowie der eines Wissen-
schaftlers skizziert. Letzterer steht meinem Vorschlag nahe. * Ausnahme: bei

Überhang soll, ab einer Höchstabgeordnetenzahl, derjenige mit dem
zweithöchsten Stimmanteilfiir den Wahllkreis in den Bundestag einziehen und
der Überhang würde wegfallen ! !

  •  Frau Leven fragt: ,,Wieso würde eine Reduktion der Wahllkreise [von 299 
  • auf 250] die Rechte der Wähler schwächen?

Auf Landeslisten haben die Parteioberen Einfluss auf die Rangfolge der

Kandidaten und damit auf den Einzug in den Bundestag. Nur starke Parla-
mentarier wie Wolfgang Bosbach oder K.-P. Willsch aus dem Rheingau-
Taunus-Kreis, mit an die 50% in ihren Wahllkreisen stets gewählt, können sich

abweichende Meinungen öffentlich erlauben. Dafür aber wurde Bosbach nie
Regierungsmitglied (KanzIeramtsminister Pofolla :,, Ich kann deine Fresse
nicht mehr sehen") und Willsch flog, wie von Kauder angedroht, aus dem
Haushaltsausschuss.

1- https://www.spiegel.de/politik/deutschland/wahlrechtsreform-vorschlaege-

fuer-verkleinerung-des-bundestags-a-
64M3925-2e22- 4f1t-97 43-c549dbdgb762

2 https://www.wiwo.delpolitiVeuropalkauder-droht-abgeordneten-griechenland-

kritiker-unter-beschuss/

Soweit die Zusammenfassung.            

         

           

        Anlage: "Der Montagsphilosoph" mit Impuls-Kurz-Referaten   

                      22.5.2020: Ute Schimpf: der Montagsphilosoph: Ein ewiges Leben?

                                       

                                       

                         

Wort zum Philosophie-Montag

 

Nr.1: „Geistiges EIGENKAPITAL“

 

AK Philosophie Kelkheim

Boppard, den 23.3.2020

            In der Krise überbieten sich Minister und Ministerien mit Ankündigungen über Finanzspritzen für kleine und große Unternehmen, und im Wirtschaftsteil sinnieren die Zeitungen darüber nach, wie sinnvoll doch ein größeres Polster von finanziellem Eigenkapital gewesen wäre.

            Das lässt uns darüber nachdenken, dass es neben dem Finanzkapital doch noch andere Arten von Kapital gibt, zunächst das wichtige Vertrauens-Kapital, vor allem innerhalb der Familie.

            Aber darüber hinaus gibt es doch noch einen Grund, über Eigenkapital nachzudenken, nämlich über das Geistige Eigenkapital, das uns befähigt, nicht in Trübsal, Panik oder Verzweiflung zu versinken. Dies wird was ja seit Boethius (500 n. Chr.) der „Trost der Philosophie“ genannt. Früher waren es vor allem die Tugenden (vgl. Wikipedia „Tugendlehren“), die den Menschen im Leben Richtung und Halt geben sollten: Von Platon, Aristoteles über Cicero bis ins kirchliche Mittelalter und bis zu Kant – haben sich diese Tugenden mit bemerkenswert geringen Unterschieden erhalten.

So vertrat z. B. schon Marcus Tullius Cicero die Lehre von den vier Haupttugenden.. In seiner Schrift De officiis (Über die Pflichten) nennt und erörtert er die vier Tugenden:

·                Gerechtigkeit (iustitia),

·                Mäßigung (temperantia),

·                Tapferkeit und Hochsinn (fortitudo, magnitudo animi bzw. virtus) und

·                Weisheit oder Klugheit (sapientia bzw. prudentia).

 

Diese Tugenden basieren alle auf einer langfristigen Vernunft und dienen der Überwindung der kurzfristigen Emotionalität von Angst, Panik, Sucht und Leidenschaften.

In der altgriechischen Erziehungslehre fasste man sie zusammen im Begriff des „Ktema eis aei“, d.h. eines Besitzes für immer. Heute würde man sagen, diese Tugenden sind das Geistige Eigenkapital, das vor allem dem Menschen hilft, auch schwere Zeiten zu überstehen.

 

P.S. Weitere Beiträge für eine Reihe „Philosophie-Worte zum Montag“ sind immer erwünscht.

Bleiben sie gesund!

Gerhard Metschies, gerhard.metschies@gmail.com

 

Gerhard Metschies

Boppard, den 30.3.2020

Für unser digitales „Wort zum Montag“ hier ein weiterer Vorschlag:

 

Wort zum Philosophie-Montag

 

Nr.2: „Falsche Gewissheiten“

Krisen und Katastrophen sind immer auch Herausforderungen für die Philosophie, die ja immer aus geistigen Auseinandersetzungen besteht. Das war schon vor 200 Jahren beim Erdbeben von Lissabon so, als Voltaire in seinem „Candide“ Gottfried Wilhelm Leibniz und seine „Beste aller Welten“ in Frage stellte. Heute aber bei einer ähnlichen Welt-Katastrophe ist die hoch gelobte Globalisierung als solche zwar nicht in Frage gestellt, doch ihre unerwarteten Nebenwirkungen in Gestalt der Virus –Pandemie sind (noch nicht) beherrschbar.

Vor allem sind heute die Rollen der Akteure der öffentlichen und auch philosophischen Diskussion anders und neu verteilt:

Neu aufgetreten ist der „ Ethikrat“ und auch die Organisation der „Ärzteschaft“,  die sich (z.B. in der FAZ vom 27.3. und der FAS vom 29.3. jeweils unter der Seitenrubrik „Politik“) unter der Überschrift „Vor tragischen Entscheidungen“ äußern bzw. sich mit der Frage beschäftigen „Wer überleben darf“, alles nur auf Deutschland

mit seinen nur 1,2% der Weltbevölkerung bezogen.

Demgegenüber sind die traditionellen Wortführer einer öffentlichen Ethik-Diskussion doch sehr in den Hintergrund getreten. Denn der allgemeine „Verlust der Transzendenz“, den wir - angesichts der Massenaustritte aus den Kirchen - feststellten, zeigt sich konkret nicht nur im Entfallen der diesjährigen Passionsspiele von Oberammergau, dem Schließen der Kirchen und der „Messen ohne Volk“, wie die FAZ titelte. Dennoch, einer der Kernsätze der Urbi et Orbi- Ansprache des Papstes, dass nämlich „der hereingebrochene Sturm unsere falschen und unnötigen Gewissheiten aufdecke“ (FAZ vom 28.3.), ist sicherlich von einer wirklich konfessions-übergreifenden, allgemeinen, und – wohl auch für die Philosophie -zeitlosen Gültigkeit.

Zu diesen falschen und unnötigen Gewissheiten gehört wohl nicht nur die traditionelle Vorstellung von der Philosophie als Magd der Theologie, sondern auch die – noch im berühmten „Wiener Kreis“ geäußerte -Vorstellung von der Philosophie als Krone der Wissenschaften. Heutzutage würde man wohl eher das Wissen von Medizin und der gesamten Medizintechnik als wichtigste und vornehmste aller Wissenschaften bezeichnen – wie dies ja schon aus der Enzyklopädie des Plinius (90 n. Chr.) zu entnehmen ist, der ihr mehr als Zweidrittel seines 1000seitigen Werkes seiner "historia naturalis" widmete.

 

Freilich lassen auch die wortreichen Artikel der Zeitungen oft  Sorgfalt, Tiefgang und Sachkenntnis vermissen,

etwa wenn lang und breit über das deutsche Gesundheitssystem –„faire Behandlung ohne Ansehen der Person“, FAZ vom 29.3.) referiert wird, ohne dabei das existierende Klassensystem der „Privatpatienten“ auch nur mit einem einzigen Wort zu erwähnen.

Selbst bei den kirchlichen Stellungnahmen (vgl. Seite „Geisteswissenschaften“ der FAZ vom 25.3.) in einer

spaltenlangen Diskussion mit fünf (darunter drei Liturgie-) Professoren über den Vorrang des „mystischen Leib Christi in der Messfeier“ etc., vermisst man den Rückgriff auf Zitate der Bibel, deren Exegese-Potential wohl noch nicht ausgeschöpft ist: Denn für die Befolgung staatlicher Hygiene-Vorschriften heute wäre die Aufforderung des Apostel Paulus an die Christen „seid der Obrigkeit untertan“ (Röm 1,13) wohl immer noch von Belang. Aber weit über das Selbstverständnis fast aller kirchlicher Organisationen geht vielleicht doch Lukas 16, 1-8 hinaus, mit der Feststellung, dass „die Kinder dieser Welt klüger sind als die Kinder des Lichts“, D.h. dass nicht-christliche Länder - wie Singapur, Südkorea und Japan - in der Bekämpfung des teuflischen Virus dem „Abendland“ voraus seien könnten, sollte man grundsätzlich und dankbar akzeptieren können.

 

Resumé: Stimmt es, dass ein „Gesundbeten“ kein Selbstzweck, (sondern allenfalls eine Vorstufe) sein könnte, und nur ein „Gesundhandeln“ uns weiterhilft? Auch in unserm Philosophiekreis ist eine kontroverse Diskussion darüber angesagt.

Jedenfalls bleiben uns noch viele Themen für unsere Philosophie- Montage zu füllen. Bis dahin aber – und hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit - uns allen noch ein langes und gesundes Leben!

gerhard.metschies@gmail.com

Gerhard Metschies

Boppard, den 6.4.2020

Für unsere digitale Kommunikation hier ein drittes Thema:

 

Wort zum Philosophie-Montag

 

Nr. 3: KULTUR-Begriff in der Krise?

 

            Ein aktuelles Wort zur Mathematik vorweg:

 

Nun haben wir also 100 000 Corona-Infizierte erreicht (6.4.). Aber sowohl die Anzahl der Tage für eine Verdoppelungs-Periode der Infektionen als auch der Prozentsatz des täglichen Wachstums werden amtlich verwendet, um den Augenblicksstand der Neuerkrankungen zu erklären und die Verlässlichkeit der übermittelten Zahlen zu prüfen.

Wie hängen beide Indikatoren zusammen?

             Mathematisch gilt –( wie bisher bei den Jahren), nun aber auch bei den Tagen – die „alte 70er Regel“ d.h. die Multiplikation beider Zahlen muss immer ca. 70 ergeben, also 10 Tage Verdoppelungsperiode bedeuten ein tägliches Wachstum von 7%, . Oder eine Verdoppelungsperiode von 15 Tagen ein Wachstum von 4% täglich.

 

            Doch nun zum Kern der Dinge: Jede seriöse Philosophie beruht auf einer Definition der verwendeten Begriffe. Und gerade hier konstatiert die FAS – ganzseitig (29.3. S. 41) – „die zivilisatorische Kränkung“, die bei unserer westlichen Zivilisation festgestellt wird, dass nämlich ein solcher Virus unser „durch Kultur und Prinzipien veredelte Leben“ nun auf die Natur, auf Gesundheit und „das nackte Leben“ zurückwirft; und das sei - von hoher Warte aus - doch eine Zumutung und Beleidigung. - In der Tat so ist es, insbesondere unter den selbsternannten „Kulturschaffenden“ und wohl mit recht. Denn eine religiös und schön-geistig gefärbte „Geisteswissenschaft“ als solche scheint in der Krise zunächst überflüssig zu sein und vor allem ihrer (oft angemaßten) Deutungshoheit beraubt.

            Das kommt aber wohl m. E. daher, dass ihr die von alters her grundlegenden Bedeutungen von Kultur und Zivilisation nicht immer präsent zu sein scheinen. Denn schon vom Wortursprung (lat. colere bebauen) her heißt Kultur zunächst: durch ausreichenden, verfeinerten Ackerbau die langfristige Ernährung der Menschen zu sichern (vgl. Cato in seinem Buch "de agricultura", 150 v. Chr.) und dann durch (anfangs pflanzliche) medizinische Mittel ein möglichst langes Überleben der Menschen zu gewährleisten: Schon die Enzyklopädie des Altertums um 70 n.Chr. von Plinius bestand daher überwiegend aus praktischen Anleitungen zur Gesundheitserhaltung und wurde  – unter der langen Herrschaft eines Jenseits-Glaubens – als primitive Naturwissenschaft (historia naturalis) gering geschätzt). Was wir heute erleben, ist daher eigentlich eine Wiedergeburt der (ursprünglich atavistischen) Medizinmänner.  Heute aber erhalten Pflegepersonal, Ärzte und Gesundheitsminister ihren Stellenwert als kulturelle Leitfiguren zurück. 

            [Was aber - zusätzlich - die Zivilisation (von lat. civis, der Bürger), also die speziellen (Staats-) bürgerschaftlichen Verpflichtungen betrifft, so ist dies – auch philosophisch – ein weiteres, noch zu behandelndes Feld, das auf der Grundlage politischer Nationen und ihrer Verantwortung für die Bürger zu kären wäre.]

            Zunächst aber ist die vorangehende Analyse der weltweiten Verbreitung des Virus wesentlich. Die nicht auf das eigene Land beschränkte, sondern weltweite Übersicht aus allen (!) Ländern der Welt ist ein Ruhmesblatt der John Hopkins Universität aus den USA. Das ist Wissenschaft vom Feinsten, nämlich Wissenschaft mit Verantwortung für die ganze Welt.

            Für uns in Deutschland bleibt freilich das Goethe-Wort von „Vernunft und Wissenschaft, als des Menschen allerhöchste Kraft“ maßgebend wie kaum zuvor. Jene „zivilisatorische Kränkung“

(die durch den Zwang, von anderen Zivilisationen wie in Ostasien auch noch lernen zu müssen, gewaltig verstärkt wird) lässt auch den FAS –Artikel enden mit der Aussicht, dass gerade diese Virus-Epidemie auch „danach“ noch die „Zivilisation und deren Freiheiten prägen“ wird. - Oder pointierter ausgedrückt: Eine ‚Neu-Prägung unseres geistigen Wechselgeldes’, was nämlich grundlegende (heute oft verwaschene Allerwelts-) Begriffe wie Kultur und Zivilisation weltweit überhaupt zu bedeuten haben oder hätten, steht noch aus. Somit könnte der Virus nicht nur Bedrohung, sondern vielleicht auch Chance zu einer noch ausstehenden Grundlagenbildung von Weltkultur werden.

            Jedenfalls bleiben uns noch viele Themen für unsere Philosophie- Montage zu füllen. Bis dahin aber – und auch in der aktuellen Karwoche immer mit viel Hoffnung und ungebrochenem Optimismus - uns allen noch ein langes und gesundes Leben!

gerhard.metschies@gmail.com

 

 

Der Montagsphilosoph, Teil 4                NEUSTART- wie bisher?                                        Boppard, den 23.4.20

Die Philosophie nach Korona – Bleibt alles wie bisher?

 

          Bei den Korona-Restriktionen sind Lockerungen angekündigt. Ende gut, alles gut? - Noch nicht ganz.

Mathematisch: Das exponentielle Wachstum ist auf ein lineares Wachstum reduziert. Aber die deutschen  Infektionszahlen mit über 150 000 (23.4.) sind  immer noch jeweilige Allzeithochs. 

In den USA ist die Zahl der Toten auf ca. 50 000 gestiegen, fast zehnmal so hoch wie in Deutschland, das aber –vorausschauend -  erst einmal das Münchener Oktoberfest abgesagt hat.

          Ohne Zweifel, unser Motor von Wirtschaft und Kultur ist ins Stottern geraten und unklar ist, ob die Therapie „ÖL , d.h. genügend Geld nachschütten“ ausreicht.

          Aber was sagt die Philosophie dazu? Ist sie genauso ratlos? Schließlich ist der gegenwärtige Virus nicht vom Himmel gefallen (und etwa 40 andere, vielleicht noch viel gefährlichere können noch kommen). Eins scheint aber sicher zu sein: Falsche Gewissheiten waren auch in der Philosophie virulent, bevor Corona 19 auftauchte.

          Vor allem war es wohl ein besonderer Philosophen-Virus, der z.Z. zu einer gewissen „Götterdämmerung“ besonders in der theologischen Philosophie führt. M.E. hatte man den jahrhundertelang verfluchten Baruch Spinoza (1632-1677) wohl nicht ernst genug genommen, der ja (lt. Wikipedia) „die Theorie von einem unpersönlichen Gott, der sich … nicht um die Welt kümmert, und von einer sich selbst verursachenden Natur (Deus sive natura)“ vertrat. D.h. aber, die eigentlich uralte Frage nach der Theodize, der Gerechtigkeit Gottes, taucht – und zwar überall – wieder auf. Darauf wies besonders der bekannte  Prof. Michael Wolffsohn in seinem Artikel „Die Stunde der Orthodoxen“ (FAZ vom 20.4.)  hin, dass sich weltweit Kirchgänger, Synagogen-, Moscheen- und Tempelbesucher überproportional mit dem Virus infizierten (vgl. auch FAS vom 19.4. „Gefährliche Prediger“)

          Aber Wolffsohn führt auch die Gegenposition an, dass die religiöse Psychosomatik ja auch gelten könnte. Er kommt schließlich im Hinblick auf Israel (und Iran) zu der Lösung, dass radikale Orthodoxe und „Gotteslästerer“ angesichts der mörderischen Krise nun doch pragmatisch zusammenarbeiten können.

          Aber gilt dieser Kompromiss, so fragt man sich, denn auch für Zentraleuropa, wo – im genauen Gegensatz zu den Ultraorthodoxen Israels –Hunderttausende zunehmend sich ja vom Jenseits-Glauben abwenden?

          Hier liegt – auch für uns - noch großes Diskussionspotential, aber vorrangig sind wohl noch andere Themen aktuell, nämlich die Frage, ob wir nicht bei uns z. Z. eine „säkulare Götzendämmerung“ erleben, wo (eingebildete?) Rechte auf Wohlstands-Niveau und auf „Menschenrechte der Verfassung“ im Sozialstaat zunehmend als liebgewonnene Ersatz-Götzen fungierten und die nun demontiert werden. Sind die Lockerungen der Staatsrestriktionen (schrittweise Öffnen der Schulen etc.) überhaupt ein juristisches oder doch eher ein medizinisches Problem? 

          Wir werden sehen. - Vielleicht hilft dann doch noch Friedrich Schiller weiter, dessen Bild „Einstimmung in den Idealismus“ ja den offiziellen Empfangssaal des Bundespräsidenten in Berlin ziert. Denn Friedrich Schiller (1759-1805) formulierte, um aus dem Schlamassel dieser Welt herauszukommen, ja bekanntlich das (auch für aktuelle politische Problem-Diskussionen noch gültige) klassische Leitbild von „Anstand und Würde“

          Jedenfalls gibt es für den NEUSTART unseres Arbeitskreises noch genügend Themen, zumal

ja auch ein weltweiter NEUSTART der Philosophie nicht lange mehr auf sich warten lassen wird.

 

Mit besten Grüßen

Gerhard Metschies

 

 

Nr. 5 Der Montagsphilosoph

Liederbach, den 4.5.2020

Oberziel Menschenleben – mit der Gefahr leben

 

            Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein philosophisches Thema die politischen Schlagzeilen der Tageszeitungen dominiert, wie die „Debatte über absoluten Vorrang des Lebensschutzes“ im Zeichen der Korona-Krise (FAZ vom 28.4.). Hintergrund ist die anstehende Lockerung der Verkehrsbeschränkungen.

Bundestagspräsident Schäuble hatte es in seinem Vorstoß wohlweislich vermieden, auf seinen schwäbischen Landsmann Friedrich Schiller (1759-1805) zu verweisen, dessen Wort „und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein“ ja später sehr missbraucht worden ist.

            Aber die allgemeine Kontroverse zwischen Einzelinteressen und Gemeinschaftsinteressen besteht bis heute fort und ist wohl nicht analytisch, sondern nur analog lösbar. D.h. nur der Vergleich mit anderen „mörderischen Systemen“ könnte evtl. Orientierung geben. So ist es in jahrzehntelangen Anstrengungen gelungen, die Zahl der Straßenverkehrstoten von ca. 20 000 auf nunmehr ca. 3000 pro Jahr zu senken. Dazu bedurfte es besonderer Zulassungsbehörden und auch individueller Maßnahmen wie der Gurtpflicht, die ja der aktuellen Mundschutzpflicht durchaus vergleichbar wäre. Wir haben uns notgedrungen – da als systemrelevant eingestuft - daran gewöhnt, mit diesem Straßenverkehrssystem zu leben.

Augenblicklich scheinen die Zahlen der Korona- Infizierten (am 3.5. insgesamt 165 000 Infizierte und 6840 Tote), aber mit abnehmender Tendenz von z. Z. ca. 100 Toten pro Tag in die Dimensionen des Straßenverkehrssystem hineinzuwachsen. Müssen wir mit der Gefahr solcher Zahlen lernen zu leben?

            Aber auch im Gesundheitswesen werden Einschränkungs- und Zulassungsbedingungen nicht von alleine kommen und müssen dauerhaft sein. Die Einführung des Pflichtbegriffs ist dabei wohl unumgänglich: Ministerpräsident Kretschmann in Stuttgart hat (laut FAZ vom 30.4.) schon seine philosophischen Bezugssysteme geändert und H. Arendt gegen Immanuel Kant getauscht.

            Wie dem auch sei, bei Wiederaufnahme unserer Montags-Philosophie-Treffen wird es uns an Themen nicht fehlen.

 

Mit besten Grüßen

Ihr Gerhard Metschies

 

            

 

         

                                          

                                               

      

   

                     

 

 

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